Zu viel Solarstrom? So wird daraus ein echter Mehrwert für Ihre Liegenschaft
Immer mehr Solarstrom – aber oft zu wenig Eigenverbrauch. Ein aktuelles Praxisbeispiel zeigt, wie Eigentümergemeinschaften dieses Potenzial nutzen und daraus einen echten Standortvorteil entwickeln können.
Wenn aus «zu viel Solarstrom» ein Standortvorteil wird
Die Schweizer Energiepolitik setzt klare Signale: Photovoltaik wird gefördert, teilweise faktisch erwartet – doch die Rahmenbedingungen bleiben widersprüchlich. Während der Ausbau von Solaranlagen politisch vorangetrieben wird, sind Energieversorger oft weder verpflichtet noch ausreichend incentiviert, überschüssigen Strom zu attraktiven Konditionen abzunehmen. Für Eigentümergemeinschaften entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Sie sollen produzieren, bleiben aber auf einem Teil der Energie sitzen.
Ein Praxisbeispiel mit Signalwirkung
In einer Stockwerkeigentümergemeinschaft in Sempach wurde auf vier Dächern eine Anlage mit rund 100 kWp Leistung installiert. Jährlich entstehen so über 90'000 kWh Solarstrom. Mehr als die Hälfte davon wird heute noch zu tiefen Vergütungspreisen ins Netz zurückgespeist. Gleichzeitig bezahlen die Haushalte für den Strombezug aus dem Netz deutlich höhere Tarife.
Diese Ausgangslage ist typisch für viele ZEVs (Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch). Genau hier setzt eine Zusammenarbeit zwischen Praxis und Forschung an.
Was sagt die Datenanalyse?
Benjamin Sawicki, Ingenieur an der ETH Zürich, suchte für ein gemeinsames Forschungsprojekt mit Ökonomen der Universität Zürich unter Leitung von Professor Nax reale Daten um Simulationsmodelle von dynamischen Tarifen in der Praxis zu testen. Der ZEV in Sempach lieferte dafür die Basis.
Die Messdaten zeigen eindrücklich, wie stark der Überschuss schwankt: von 0 kWh an Wintertagen bis fast 500 kWh an sonnigen Maitagen. Im Durchschnitt bleiben rund 50'000 kWh pro Jahr ungenutzt . Genug, um mehrere Dutzend zusätzliche Haushalte tagsüber mit Energie zu versorgen. Der Flaschenhals ist dabei nicht die Technik, sondern die heutige Organisation des Verbrauchs.
